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Joscha Dippon tritt in die Fußstapfen seines VatersGenerationenwechsel im VDP Schlossgut Hohenbeilstein

Am 1. Juli 2019 übernimmt Joscha Dippon mit gerade einmal 26 Jahren offiziell das elterliche VDP Bioweingut Schlossgut Hohenbeilstein. Die Formalitäten sind bereits abgewickelt und damit das Wichtigste erledigt. Geht damit die Ära des Bio-Pioniers Hartmann Dippon zu Ende? Und was wird sich dadurch in Zukunft ändern? In einem persönlichen Interview haben wir uns mit Joscha Dippon ausgetauscht.

Herr Dippon, Die Hofübergabe an Sie steht kurz bevor. Wie fühlen Sie sich dabei?
Bisher spüre ich durch diesen Schritt noch keine wirkliche allzu große Veränderung. Bereits in den letzten Jahren hat mir mein Vater viel Verantwortung übergeben. Im Keller arbeite ich schon seit längerer Zeit sehr selbstständig und eigenverantwortlich. Die Absprache wird natürlich auch weiterhin bestehen bleiben.

Was sind die mit der Übernahme verbundenen Erwartungen an Sie?
Gute Frage (lacht). Ich denke meine Eltern haben keine extremen Erwartungen an mich. Natürlich erwarten Sie Engagement und Überzeugung von mir. Aus Kundensicht bin ich selbst gespannt was noch für Rückmeldungen kommen werden. Gut ist, dass wir die Übernahme schon frühzeitig organisiert haben. Obwohl ich für solch einen gewachsenen Betrieb noch relativ jung bin ist dies aus meiner Sicht für eine erfolgreiche Fortführung wichtig.
 
Was kommt nun auf Sie zu? Bzw. gibt es einen Nachfolgeplan und haben Sie sich dazu beraten lassen?
Wir haben keine externe Beratung hinzugezogen, natürlich haben wir uns im Voraus informiert und waren auf Hofübergabe-Seminaren, weil es schon einige Dinge zu beachten gibt. Nebenher müssen wir noch Einiges erledigen, wie z.B. Versicherungen ummelden aber das Wichtigste, auch banktechnisch, ist bereits erledigt. 
 
Ist ein feierlicher Akt bzw. eine feierliche Übergabe am 1. Juli geplant oder ist das eine rein formale Sache?
Am 19. Juni 2019 war ich mit meinen Eltern und Geschwistern beim Notar und haben dort den Hofübergabevertrag unterschrieben. Also das Formale ist bereits erledigt. Im Anschluss waren wir gemeinsam im Restaurant – essen tun wir alle gerne. Die private Feier hat also schon stattgefunden. Für den 1. Juli ist noch nichts geplant, ich glaube, ich bin an diesem Tag auch gar nicht da (lacht). Natürlich ist das ein bedeutender Schritt und wir möchten damit auch werben. Aber die meisten Kunden denken ohnehin schon, dass bereits alles über die Bühne gegangen ist, weil mein Vater im letzten Kundenbrief im April bereits angekündigt hat, dass der Betrieb übergeben wird.
 
Werden sich Ihre Eltern nach der Übergabe komplett ausklinken und ihren wohlverdienten Ruhestand genießen oder juckt es sie weiterhin in den Fingern sich einzubringen?
Mein Vater wird auf jeden Fall nicht direkt in den Ruhestand gehen, wir tauschen lediglich die Rollen. Er wird also noch 4-5 Jahre weiter im Betrieb mitarbeiten, ist aber dann bei mir angestellt. Daher ändert sich gar nicht so viel und es fühlt sich bisher auch noch nicht viel anders an. Meine Mutter wird auch weiterhin im Betrieb tätig sein, aber weniger im Weinverkauf. Sie konzentriert sich auf externe Jobs und möchte auch mehr Zeit für ihre inzwischen schon 8 Enkelkinder haben.
 
Werden Sie den Betrieb ganz im Sinne Ihres Vaters weiterführen oder dürfen wir diesbezüglich Veränderungen erwarten?
Natürlich werden einige Dinge so beibehalten, wie wir sie schon immer gemacht haben aber meine Frau und ich haben auch viele neue Ideen und wir planen marketingtechnische Umstellungen. Zum Beispiel war unsere Silberling-Linie bisher eine Eigenkreation meines Vaters. Diese möchte ich komplett VDP-konform umstellen, also in Gutswein, Ortswein, Erste Lage und Große Lage. Im Veranstaltungsbereich probieren wir uns auch immer wieder gerne neu aus. Unsere bisherigen Kunden möchten wir überraschen und neue Kunden unsere schöne Lage und natürlich unsere Weine näher bringen.
 
Was passiert dann in Zukunft mit der Linie "Edition J", die Sie ins Leben gerufen haben?
Die "Edition J" war meine Eigenkreation, also auch eine Fantasielinie mit Spätburgunder und Lemberger, in der ich die Weine etwas anders und spezieller ausgebaut habe. Im Moment ist mein Plan, die Linie unter diesem Namen auslaufen zu lassen und dann in die Erste Lage umzuwandeln, weil das bisher die Linie des Juniors war, aber aus gegebenem Anlass und als Betriebsleiter ist das nicht mehr recht passend.

Das bedeutet die "Edition J" wird es in Zukunft nicht mehr geben?
Ja genau, das ist der Plan. Aber da steckt natürlich viel dahinter, weil die Erste Lage erst beim VDP und beim Regierungspräsidium beantragt werden muss. Außerdem sind ja noch zwei Jahrgänge im Keller, die nicht als Erste Lage verkauft werden können, daher benötigt es schon noch etwas Zeit, bis wir damit in den Verkauf gehen können. Der Jahrgang 2019 wird dann der erste sein, der als Erste Lage erhältlich ist.
 
Sie gehören deutschlandweit zu einem der besten biologisch arbeitenden Betriebe. Auch bei den PIWIs sind Sie vorne mit dabei. Soll dieser Bereich weiter ausgebaut werden?
Wir haben ja bereits relativ viele Piwis, die auch alle sortenrein ausgebaut werden: Johanniter, Cabernet Blanc, Muscaris und Cabernet Cortis. Der Muscaris wurde recht neu gepflanzt, 2018 ist der erste Jahrgang des Muscaris und wir sind damit sehr zufrieden. Aber neue Piwi-Rebsorten werden wir voraussichtlich nicht pflanzen, da unser Wein-Sortiment schon relativ groß ist.

Bestehen Absichten oder überhaupt Kapazitäten den Betrieb flächenmäßig zu erweitern?
Potenzial besteht auf jeden Fall im Bereich Weinbau bezüglich der Maschinen und auch im Keller. Aber im Momentan ist es nicht unsere Absicht die 14 Hektar flächenmäßig zu erweitern. Der Weinmarkt ist stark umkämpft und daher möchte ich nicht noch mehr Wein produzieren. Wir möchten eher in Marketing Zeit, Herzblut und Geld investieren und sind momentan in der Planung unseren Veranstaltungsraum auszubauen, da wir sehr viele Anfragen in diese Richtung bekommen. Bisher ist es eine alte Kelter, die im Bereich Heizung, Sanitär und Küche erneuert werden muss.
 
Haben Sie jemals darüber nachgedacht einen anderen Beruf zu erlernen?
Als junger Bub wollte ich zunächst immer Profi werden (lacht). Später war klar, dass ich in die Fußstapfen meines Vaters treten wollte, und erst in der Pubertät kamen Zweifel, ob ich die viele Arbeit wirklich übernehmen möchte. Ich wurde nie von meinen Eltern gedrängt diesen Beruf zu erlernen, das war mir immer freigestellt. Erst mit 16 habe ich mich wieder umentschieden, selber weiß ich gar nicht mehr warum. Meiner Meinung nach ist der Beruf als Winzer der abwechslungsreichste Job, den es überhaupt gibt. Kein anderer Beruf deckt so viel Bereiche ab, vom Anbau mit Biologie über Kellerwirtschaft mit Chemie und Marketing der eigenen Produkte. Es gibt für mich nichts Schöneres, als das eigene Produkt vom Pflanzen der Rebe bis zum Verkaufen der Flasche Wein zu gestalten. Daher bin ich sehr froh, dass ich diese Richtung eingeschlagen habe.